Sonderausstellung

Seit 2009 beschäftigt sich das Stadtmuseum Schwedt/Oder aktiv mit dem eher schwierigen Thema der Stadtgeschichte, das vor allem für junge Männer in der ehemaligen DDR von Bedeutung war. Lesungen, öffentliche Führungen und Zeitzeugengespräche wurden durchgeführt. Der Wunsch einer kontinuierlichen Auseinandersetzung kam jedoch von außen.

Mit der Arbeitsgruppe Militärgefängnis, die sich im August 2012 das erste Mal traf, und der Gründung des Vereins DDR-Militärgefängnis Schwedt e. V. im März 2013 kamen Zeitzeugen, Forscher und Institutionen wie die Landesbeauftragte für die Aufarbeitung der kommunistischen Diktatur, die Stadt Schwedt/Oder und der Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik, zusammen, um intensiv die Forschungsarbeit am Objekt DDR-Militärstrafvollzug und Disziplinareinheit voranzutreiben. Die Ergebnisse werden nun in der Ausstellung "NVA-Soldaten hinter Gittern. Der Armeeknast Schwedt als Ort der Repression" präsentiert.

Dr. Rüdiger Wenzke, Historiker und Leitender Wissenschaftlicher Direktor am Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr in Potsdam, hat die Text- und Bildauswahl getroffen. Auf 20 Tafeln geht es neben allgemeinen Informationen über das Militär im Sozialismus, die Nationale Volksarmee, die Militärjustiz und den militärischen Strafvollzug als Teile des Repressionsapparates im SED-Staat natürlich um die geschichtliche Entwicklung des ehemaligen Objektes der NVA.

Neben dem Alltag der Militärstrafgefangenen und Strafarrestanten im Militärgefängnis des Ministeriums des Innern in Schwedt/Oder werden die Strukturen, die Organisation und das Personal im Militärgefängnis Schwedt von 1968 bis 1981 untersucht. Dann kam der Wechsel des Verantwortungsbereiches: Unter der NVA hieß es ab 1982 "Ab nach Schwedt!" mit und ohne Gerichtsurteil.

Die Bediensteten der Disziplinareinheit verstanden sich als "Erzieher" in NVA-Uniform. Das "System Schwedt" bestand aus Schleifen und Schuften, Bespitzeln und "Rotlichtbestrahlung". Aus politischen Gründen wurden "Staatsfeinde", Waffen- und Wehrdienstverweigerer eingesperrt. Weitere Vergehen waren z. B. Befehlsverweigerung, Beleidigung Vorgesetzter und Unterstellter, unerlaubte Entfernung von der Truppe, unerlaubte Benutzung militärischer Fahrzeuge, Alkoholmissbrauch. Die Rückkehr und das Nachdienen in der Truppe waren von Schweigen geprägt, das Zurückkehren in den sozialistischen Alltag von Verdrängen und dem Versuch, die Schwedter Zeit zu vergessen.

Die Tafeln der Sonderausstellung sind seit August 2016 im Arrestzellenbereich der Disziplinareinheit ausgestellt und können zu den öffentlichen Führungen oder nach Vereinbarung besichtigt werden.

Gefördert mit Mitteln der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg und der Stadt Schwedt/Oder.

 
 
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